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Drei Fragen an Keith & Henri

10.11.2021

Wen könnte man besser fragen warum es eine deutsche Übersetzung braucht als die beiden Gründer von Liberating Structures Henri Lipmanowicz und Keith McCandless? In einem Kurzinterview haben wir den beiden diese drei Fragen zum Thema Buch gestellt.

  • Warum ist es wichtig, das Buch in andere Sprachen und auf Deutsch zu übersetzen?
  • Was bedeutet es für die Liberating Structures-Praxis von Anwenderinnen und Anwendern, veröffentlichtes Material zu haben?
  • Warum und wie sind Liberating Structures mehr als Methoden und Werkzeuge?

Warum ist es wichtig, das Buch in andere Sprachen und auf Deutsch zu übersetzen?

Weil dieser Prozess auch eine Transformation ist. Eine Weiterentwicklung von dem, was bereits da ist. Indem das Buch in andere Sprachen übersetzt wird, können Erfahrungen eingebracht und Lücken geschlossen werden. Das ist kein Fehler am Originalbuch, sondern ein gesunder und unheimlich wichtiger Prozess, wenn Inhalte wie Liberating Structures seit mehreren Jahren angewendet und erweitert werden.

Und weil die Strukturen durch eine Übersetzung des Buches Menschen zugänglich gemacht werden, die keinen Zugang über die englische Sprache gefunden hätten. Das ist der Kern von Liberating Structures: Menschen einbeziehen. Um so wiederum die Strukturen und Inhalte gemeinsam weiterzuentwickeln.

Anwendern, veröffentlichtes Material zu haben?

Bücher können wertvolle Werkzeuge sein, um sich mit dem Material auseinanderzusetzen. Keith erzählt von einer Person, die das Buch mit Notizen und Klebezetteln durchgearbeitet hat: hier findet eine andere Art der Übersetzung statt: von dem, was auf Papier steht zu dem, was eine Person tatsächlich tut. Ein gedrucktes Buch kann bei diesem Prozess helfen.

Und auch: Fragezeichen. Viele verstehen und nutzen Liberating Structures als Methoden. Die Philosophie von Liberating Structures geht mit dem Fokus auf die konkreten Strukturen häufig verloren. Das ist okay, es funktioniert ja auch, ohne dass jemand die Philosophie kennt und verändert ebenfalls die  Zusammenarbeit. Was jedoch häufig übersehen wird, ist das Fundament, auf dem diese Methoden entwickelt wurden. Es geht gerade nicht in erster Linie nur um Moderationsmethoden. Sondern auch. Die Methoden sind eingebettet in ein fundamentales Verständnis von Organisationen und Zusammenarbeit: wie Veränderung in komplexen Umfeldern geschehen kann. In der reinen Anwendung von Strukturen geschieht das auch. Doch ob das Verständnis, warum dies geschieht, und was möglicherweise außerdem möglich ist, tatsächlich da ist: möglicherweise kann veröffentlichtes Material wie ein Buch das nicht gänzlich auffangen.

Warum und wie sind Liberating Structures mehr als Methoden und Werkzeuge?

Unter den schnell zugänglichen Strukturen liegen tiefere Ebenen. Die zehn Prinzipien, auf denen alle Strukturen fußen. Und die tiefere Logik der Design-Elemente. Hier geht es um den Kern von Zusammenarbeit mit dem Ziel, gelernte Strukturen, die im Alltag Menschen ausschließen und kreatives Potenzial verkümmern lassen, aufzubrechen. Häufig geschieht das schon in der Anwendung als Methoden. Sich jedoch mit der DNA auseinanderzusetzen, also dem mikrostrukturellen Design der Zusammenarbeit, erlaubt ein weit größeres Verständnis von menschlicher Interaktion, und im Buch wir diese DNA explizit gemacht.

Das Buch basiert auf Keith und Henris Erfahrungen und Verständnis der Funktionsweise von Organisationen. Menschliche Organisationen sind keine Maschinen, sondern komplexe Systeme. Dementsprechend muss Zusammenarbeit, Interaktionen zwischen Menschen, dieser Realität gerecht werden: kein mechanisches Command-and-Control, sondern Arbeitsweisen, die es erlauben, mit der realen Komplexität umzugehen, ohne Expertin oder Experte in Komplexitätstheorie sein zu müssen. Die grundlegenden Mikrostrukturen der Interaktion stellen deswegen beispielsweise Fragen nach der Verteilung von Partizipation: Wer muss beteiligt werden? In einer komplexen Welt ist alles miteinander verbunden.

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